Dürüm gegen Guglhupf ⋆ allabout40plus.com
D´OMI & I

Dürüm gegen Guglhupf

Eigentlich (ein „großartiges“ Einstiegswort wie ich finde)

…könnte ich für diesen Blogpost jedes Bild verwenden. Oder aber eben auch keines. Es ist egal wie & was. Und vor allem auch warum. Denn es geht um die – für´s Omile schlimmste Sache der Welt. Dürüm. Wobei sie ja nicht mal richtig weiss was „es“ ist. Denn erst lässt sie es sich von mir erklären, schaut dabei aber ziemlich gelangweilt und uninteressiert aus dem Fenster.

 

Ich esse manchmal Dürüm.

Vor allem hier in Altach. Weil es hier mit ziemlicher Sicherheit, das beste „Ständle“ weltweit gibt. DAS „Ständle“ gibt es solange ich denken kann. Als ich noch ein Kind war, wurden hier manchmal die „Hännile“ geholt. Und Mama´s Lieblingsgericht dort war „1 Hamburger mit Käse“. Heute gibt’s dort Dürüm – gemacht von einer türkischen Familie. Sie wohnen in Altach (ok jetzt muss ich´s ein bisserl überstrapazieren, aber weil´s halt so ist:) solange ich denken kann.

 

Heute also

– wir kommen zur „Vorarlberg Heute Zeit“ nachhause – weiß ich schon auf dem Heimweg: nix im Kühlschrank. Ich hab heut sehr gut gefrühstückt, aber bis morgen früh – nop, das geht nimma. Ganz vorsichtig sag ich an der roten Ampel bei der Autobahnabfahrt: Omile, ich würd´ noch schnell zum Ständle fahren und mir einen Dürüm holen. Soll ich dich erst nachhause bringen oder fährst du mit? Stille im Auto – ich schiele vorsichtig Richtung Beifahrersitz und sehe wie sie da sitzt: die Augen ein bisschen aufgerissen ganz gerade aus schauend und mit dem Kopf minimalst hin und her wackelnd, die Lippen zusammen gepresst, so das sich die Mundwinkel wie automatisch nach hinten ziehen zu den Ohren und die Lippen aussehen, als seien sie schmale Filzstiftstriche in ihrem Gesicht.

 

Ich warte – einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig…. „okeifahrmit“ hahahahahaha

So einfach mal schnell raus gehaun´ – das Statement. Grün. Wir fahren weiter. Ich: „Omi, bist du dir sich….“ Sie drauf: „ihangsetifahrmit“. Irgendwann platz ich innerlich vor Lachen, ich weiß, dass das fix und ganz sicher möglich ist. Als könnte man auch leise fahren, einfach um nichts zu riskieren, vorsichtigst bremsen um sich dann direkt vor dem „Ständle“ einzuparken und ganz leise zu sagen: „Omile, es dauert nicht lange – ich bin gleich wieder da“. Antwort: NULL. Es dauert auch wirklich nicht lange, ich komm zurück ins Auto und lege das gute Stück neben ihre Füße auf den Teppich des Beifahrersitzes am Boden. Siieee – bewegt sich keinen hundertstel Millimeter. Nicht, dass sie das müsste, aber ich fürchte sie atmet auch gar nicht mehr. Gut, vom „Ständle“ nachhause sind es ca. 2,5 Minuten. Ich hoffe die hält sie aus ohne Frischluft 😉

 

Zuhause angekommen, bleibt sie wie angewurzelt sitzen.

Bis ich „des Ding do“ neben ihren Füssen entfernt hab. Reingehen, Schuhe und Jacke ausziehen, Hinsetzen & Essen ist angesagt. Ich behaupte jetzt mal, damit sie sich „das Ganze“ nicht mit ansehen muss, isst sie den Guglhupf, den wir eben bekommen haben. Jede hat einen großen weißen Teller. Ich wickle vorsichtig „des Ding“ aus der Alufolie und ich versprech´ euch eines. Keiner hat einen Begriff davon – wie viele Arten von „Gschau“ das Omile drauf hat. Den Kopf gesenkt und den Blick vermeintlich auf ihren Teller gerichtet, findet ein Bissen Guglhupf den Weg in ihren Mund. Ich muss schmunzeln und könnte man meine Gedanken von der Stirn ablesen, würde da in großen Lettern stehen: „i can feel you“

 

DerDieDas Dürüm

..gut zusammen gehalten von meinen 10 Fingern wandert zu meinem geöffneten Mund und sie verfolgt das gaaaaaanz langsam wandert ihr Kopf nach vorne – Richtung Tischmitte. Ich, drehe meinen Kopf ruckartig zu ihr und schau sie an. Der Bissen fällt ihr beinahe aus dem Mund und sie hypnotosiert ganz schnell wieder ihren großen weißen Teller. So – geht das 4 oder 5 mal. Und dann mag ich nimma – schmeckt mir nicht mehr. Hat sie es jetzt tatsächlich geschafft und mir meinen geliebten Dürüm zu vermiesen. Wenn ja und ich sag ihr das, tanzt ihr Herz fix mal kurz Samba. Nix do. Lass ich mir nicht verderben „däs Ding do“. Wir genießen und schweigen, also ich jedenfalls.

 

Letzter Biss.

Gekaut, geschluckt, das „Silbrpapier“ und die Serviette zusammen geknüllt und auf den Teller gelegt, löst das bei ihr ein „heatt ma jetzt tatsächlich dia ganz Wurscht ufgeassa“. Yesss Omile und soooo gut war´s. Sie drauf – ohne mich das S zu Ende sprechen zu lassen. „A so an Scheiss, däs ka nid guat si“. Doch das war es, glaub mir. Ich nehm den Laptop her – das könnte wiedermal eine „longstoryshort“ werden und fange an zu schreiben.

 

Siiiie – räumt den Tisch ab.

Selbstredend, dass sie den „DürümTeller“ stehen lässt. Als alles weg ist und sie merkt, dass ich keine Anstalten mache, den Teller weg zu räumen, „fährt sie langsam ihren Arm aus“ und formt ihre Finger so, als wolle sie gleich nach dem Teller greifen. Ca. 0,5 cm bevor der erste ihrer Finger das Porzellan berührt, huste ich kurz auf….. hahahahahaha – sie reißt die Hand zurück, als sei der Teller plötzlich ein kleines Krokodil mit geöffnetem Maul. Ich hau mich echt ab. Sie drauf, macht einen auf Prinzessinnenhaupt, dreht sich um ohne mich eines Blickes zu würdigen und murmelt vor sich hin – „rumm des Glump furt“. Gut, ich will ja nicht so sein. Aber den Satz schreib ich noch fertig. Oder vielleicht auch zwei 😉 Sie – tritt entschlossen an den Tisch nimmt den Teller, dreht den Kopf leicht weg und lässt das Ganze schnell in den geöffneten Mistkübel gleiten. Dreht sich zu mir um und sagt:

 

„So – jetzt heascht da Dreack“.

Ich aaahne – ich muss noch raus in die Nacht. „Jo alsooo – wer so a Glump in Abfall würft, dea isch seall Schuld“. Sie drückt den Mist nochmals zusammen, Sackerl raus aus dem Kübel – Knopf gemacht und dann steht sie vor mir. Mit dem Mistsackerl, das sie am Knopf oben hält und langsam hin und her pendeln lässt, vor mir. „Also“. „Also was Omile“ „Also – du musch jetzt usse“. Zwischenzeitlich hat´s draußen vermutlich ca. minus keine Ahnung wie viel Grad, es ist stockdunkel und der Mistkübel ist hinterm Haus, in meinem „Gschichtle Schopf“. Ich schaue ihr kurz, tief und intensiv in die Augen. Sie meint es ernst. Ok, Jacke und Schuhe angezogen, Handy als Taschenlampe verwendet und ab ins Freie. Schnell hinters Haus – Sackerl in den großen Mistkübel und durch die Wiese wieder nach vorne gestapft. Stockdunkel. Vollmond wenn man ihn mal braucht – Fehlanzeige. Und just in dem Moment, als ich vor unserem Bankerl an der Hausmauser vorbei gehe, wirft sie mir aus dem darüber geöffneten Fenster ein leises „so schneall würsch koan mümü meh eassa odr“ zua. Mich reißt´s, „an klänna Juchz“ und ein „Mann he, bisch wahnsinnig Omi, woasch wia i jetzt vrschrocka bin später“

(und überhaupt – hat sie echt mümü zu meinem Dürüm gesagt???)

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