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Der Herbst mancher zwischenmenschlicher Beziehungen & die Türen Salzburgs

Ein ernstes Thema, das man dann wohl doch nicht allzu ernst nehmen sollte, oder vielleicht doch?

Herbstliche Beziehungen

Schon seit einigen Tagen warte ich auf den „richtigen Moment“, um über das Thema Beziehungen „Familie & Verwandte & Freunde & Bekannte“ schreiben zu können. Richtig gelesen, zu können. Ich habe zwischenzeitlich festgestellt, manche Themen brennen in mir geschrieben zu werden, es geht dann aber nicht – ich sitze vor meinem Laptop und hab die Worte im Herzen, bringe sie aber einfach nicht auf die Tastatur. Dann muss man einfach Warten. Warten bis „er“ sich zeigt – der Text, der bis dahin gefangen in deinem Kopf herum geistert.

          

Salzburg als Zwischenstop

Zurück zum Thema – und zum „Beginn“ – Salzburg. Das war meine Zwischenstation. Ich bin doch tatsächlich am Dienstag im Ländle abgefahren und habe einen Stop in Salzburg gemacht – ohne meiner Omi was davon zu erzählen. Sie hätte es schlichtweg nicht geduldet, dass ich außer bei ihr oder bei meinem Mann, noch irgendwo anders bin. Ich hatte aber schon in den letzten Tagen festgestellt, dass ich unbedingt eine Station dazwischen brauchen werde. Eine bei der ich ein bisschen zu mir selber kommen kann und nur ich wichtig bin. Also besuchte ich einen Freund, den ich zum einen schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte & der mir andererseits auch bei der Entwicklung meiner Business Pläne behilflich sein würde. Mir Feedback geben zu meinen Ideen, wie ich es in den letzten Woche von sehr vielen Freunden und Bekannten bekommen oder eben nicht bekommen hatte. Manchmal ist etwas mehr Farbe im Leben ganz aufschlussreich und die Erkenntnisse kommen von selber, oder vielleicht genügt es auch zu wissen, dass es noch andere Menschen gibt außer mir, die 3 verschiedene Bademäntel in 3 verschiedenen Farben besitzen.

Omi & das bunte Leben der Kinderschokolade

Es gab großartiges Essen in der Specerey, produktives Arbeiten & eine Oma der ich Kinderschokolade versteckt hatte. 10 Riegel an den unterschiedlichsten Stellen im Haus mit dem Auftrag, dass sie jeden zweiten Tag einen Riegel suchen darf. Wohlgemerkt an Stellen wo er weder schmelzen noch „einen Saustall“ anrichten kann. Meine Omi ist DER Schoki Tiger. Ich noch nicht mal in Salzburg angekommen. Telefoniere mit ihr, wie ich es immer mache, wenn ich über die Grenze fahre und wieder in Österreich bin. Sie hebt ab und bevor ich etwas sagen kann ruft sie ins Telefon: „alle gfunda“. Ich brauche auch echt nur 1 Sekunden um zu wissen wovon sie spricht und bin ganz nebenbei auch noch überzeugt davon, dass wohl heute keiner der Riegel mehr in seinem Papiergwand verpackt auf den Verzehr wartet. Aber so ist sie halt, mein Omile.

Zurück zu den Beziehungen – sie verändern sich. In manchen wird es tatsächlich Herbst und man weiß oft auch gar nicht warum. Können eigentlich Freunde wieder zu Bekannten werden? Ist das Verhältnis zu einem Bekannten weniger gut als jenes zu einem Freund? Wo liegt denn nun der Unterschied? Warum wenden sich manche vermeintlich ab? Und darf man Menschen, die man erst kennengelernt hat auch gleich schon als Freund bezeichnen, oder muss es erst eine Bekanntschaft sein, bevor es eine Freundschaft wird? Puuhhh. Schwieriges Thema. Und doch waren mir die Dinge nie klarer als jetzt.

Türen, Schlüssel & Abschiede

In meinem Leben gab es leider schon einige Abschiede, eben auch jene, von Mama & Papa. In diesen Situationen waren immer sehr viele Menschen um mich, allen war & bin ich für ihre Anteilnahme & Unterstützung aus tiefstem Herzen dankbar. Und irgendwann wird es wieder ruhiger. Man überlegt welche Tür da wohl zugefallen sein mag, deren Schloss man nicht findet, oder den Schlüssel verlegt hat. Wer sich wohl hinter dieser Tür befindet? Ob man sie überhaupt wieder öffnen will, oder ob es manchmal ganz gut ist, wenn eine zufällt, weil es ja die „berühmte“ andere Türe gibt, die dann aufgeht.

Sind die Türen eigentlich wie Freunde? Das heißt sie fällt zu – sprich der Freund ist weg? Oder wird er dann eben einfach zu einem Bekannten und schaut bei einer anderen Tür wiedermal rein?

Und es wird wieder ruhig

Es ist vielleicht für manche ein krasser Vergleich, aber bei Omi´s Sturz ging es mir ähnlich. Alles liegen und stehen gelassen, in einer Nacht & Nebel Aktion die Taschen gepackt und ab ins Ländle. Anfangs erkundigen sich viele, rufen an, schreiben & fragen nach. Ob einem das dann manchmal zu viel wird? Ich glaube schon, kann es aber nicht mit Sicherheit sagen, denn in diesen Situationen funktioniere ich einfach. Da kommt mir mein strukturiertes und organisiertes Wesen zugute. Und dann wird es wieder ruhig. Die Nachrichten werden weniger, die Anrufe auch. Die Besuche teilweise komplett eingestellt. Das Drumherum im Griff und langsam aber sicher merkst du, dass du selber auf der Strecke geblieben bist. In meinem Fall – der Blick in den Spiegel – nö – eigentlich viel besser, der Versuch die geliebte Jeans anzuziehen und der dazugehörigen Reißverschluss, der sich weder 8cm, noch 6 noch 2cm schließen lässt. Okeeee. Da hab ich mir also die Energie geholt für das Ganze hier, Umstände die nicht nur organisatorischer sondern auch sehr viel zwischenmenschlicher Natur waren. Natürlich ist mir klar, dass es die Kraft wohl auch in guten Gesprächen gibt & ich hatte einige ganz besondere, aber waren es zu wenige?

Waren jene Menschen die mir vermeintlich wichtig sind bzw waren, überhaupt noch präsent in meinem Leben? Und wenn nicht, warum hatte ich mich nicht wieder bemerkbar gemacht und mich in deren Leben rein reklamiert? Oder waren sie mir vielleicht gar nicht mehr so wichtig?

Der Türspalt

Und da war es mir klar. Noch klarer ging gar nicht. Ein Leben hat nicht unendlich viele Türen. Egal ob das Verwandte, Freunde oder Bekannte sind, sie reduzieren sich im Laufe der Jahre. Und mit spätestens 40 Jahren hatte ich begonnen, meine wertvolle Freizeit – und wenn man gerne immer 120% arbeitet hat man noch weniger davon – mit Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind. Manche Türen sind in meinem Fall stationär in Vorarlberg, in meiner Heimat. Ohne dabei groß Lärm zu machen, gingen manche von ihnen still & heimlich wieder einen großen Spalt auf. Und was dann dahinter versteckt ist, das sind Freundschaften die immer schon da waren. Menschen die sich einfach mal zurück gelehnt hatten um – so fühlt es sich an – da zu sein, wenn du wieder kommst. Und dann sind da Türen, zu denen ich vergeblich den Schlüssel suche oder gesucht habe, bis mir endlich klar wurde, es gibt gar keinen Schlüssel mehr. Das Schloss musste einem kunstvollen Gitter weichen welches zeigt, wie schön sie ist, aber eben auch zu.

Die Berge, die Gipfel & die Erkenntnis

Ob ich denn nun den Unterschied kenne zwischen Freunden & Bekannten, Familie & Verwandten wird sich der eine oder andere Fragen. No. Das ist aber auch nicht mehr wichtig für mich. Meine Familie, das sind wir drei – s´Omile, mein Mann und ich. Dann darf ich da noch eine „angeheiratete Familie“ zu meinem Lebensmenschenkreis zählen. Und dann gibt es meine Freunde, oder besser gesagt die Menschen die mir unendlich wichtig sind und auch immer schon auf einem Berg, statt hinter einer Tür gewohnt haben, damit ich sie immer besuchen & sehen konnte.

Da sitzen dann auch solche daneben, die man zwar kennt, mit ihnen aber noch nie wirklich zu tun hatte, doch plötzlich gehören sie ins Bild, zum Panorama & auf den Gipfel. Bekannte hab ich viele – sprich Menschen die ich sehr gut kenne & auch sehr schätze. Und ehrlich kann ich zwischenzeitlich auch sein zu mir selber und manche Menschen nicht als Freunde bezeichnen, sondern als sehr gute Bekannte. Mit wem wir uns schlussendlich umgeben, das dürfen wir selbst bestimmen. Und das ist ein sehr hohes Gut!

Was mir dabei noch sehr wichtig ist fest zu halten – die sozialen Medien ersetzen keine persönlichen Freundschaften. Nur weil man glaubt zu wissen, wie es dem anderen geht, weil man ja fleißig mit liest, muss man nicht zwingend richtig liegen in der Interpretation oder ein guter Freund sein.

Die letzten 11 Wochen haben meine Sinne dafür geschärft. Ich kann – nein danke – sagen, oder – sorry, geht leider nicht. Kann aber auch manchen Menschen einfach „nicht böse“ sein, weil sie sich nicht oder nicht mehr melden, denn sie machen mich nicht aus. Diese Erkenntnis zu fühlen und innerlich sagen zu können: Danke für alles und das du da warst ich wünsche dir viel Glück. Oder eben auch: Danke, dass du noch immer da bist und auch wieder kommst. Es ist ein großartiges Gefühl zu wissen was man will und genau das auch ehrlich & authentisch erklären kann, eben weil man so ist wie man ist. Und besser mit über 40, oder besser gesagt 45 drauf zu kommen, als gar nie.

Die Zeit in Salzburg – auch wenn es nur 1,5 Tage waren – haben mir Klarheit in meinen Gedanken gebracht – danke Oli für deine offene Tür. Und die Gewissheit, dass die Kinderschoki Riegel in Wahrheit keine Chance hatten mehr als nur 1 Tag zu überleben.

Was aber am allerwichtigsten ist: umgebt euch mit den Menschen die euch gut tun. Bleibt immer ihr selber, versucht euch zu spüren und wenn es zu laut wird um euch herum, dann zieht euch zurück, denn nur dann könnt ihr eure innere Stimme auch wieder hören – die, by the way, nie falsch liegt.

 

Guats Nächtle,

eure M.

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